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和敬清寂

和敬清寂

和敬清寂
  •  (Wa) steht für Harmonie
  • (Kei) bedeutet Hochachtung, Ehrfurcht und Respekt zwischen Menschen,allen Dingen und Geschöpfen
  • (Sei) meint die Reinheit, Sauberkeit und Ordnung der Dinge und des Herzens
  • (Jaku) heißt Stille

 

Die Japanische Teezeremonie

 

Innere Ruhe und ein meditativer Zustand bis hin zur Erleuchtung sollen unter anderem im Zen-Buddhismus erreicht werden. Eng damit in Verbindung steht die traditionelle japanische Teezeremonie, die zum Teil die gleichen Ziele verfolgt. Denn bei diesem Teeritual, das stets nach bestimmten Regeln abgehalten wird, geht es ebenfalls darum, zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden. Die Philosophie, die hinter der klassischen japanischen Teezeremonie steht, ähnelt der des gesamten Zen-Buddhismus in vielerlei Dingen.

 


Gesellschaftliches Ereignis von großer Bedeutung



Auf keinen Fall kann die Teezeremonie, die in Japan unter dem Namen „Chanoyu“ bekannt ist, mit dem einfachen „Teetrinken“ verglichen werden, wie es auch hierzulande viele Menschen gern tun. Denn selbst wenn „Chanoyu“ übersetzt schlicht „Teewasser“ oder auch „Tee und Wasser“ bedeutet, ist das Teeritual in Japan seit mehreren Hundert Jahren ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem im Grunde jeder Handgriff und jede Geste nach festgelegten Regeln geschieht und nichts dem Zufall überlassen wird.Die Zeremonie, bei der der Tee zubereitet, eingeschenkt und getrunken wird, ist zudem nur ein Teil des sogenannten Teeweges („Chado“). Dabei steht im Grunde gar nicht wirklich der Tee im Vordergrund, sondern eigentlich eine buddhistische Lehre, bei der nach dem Ursprünglichen und dem Einklang mit der Natur gesucht wird. Während der Teezeremonie beziehungsweise des Teewegs werden neben Philosophie und Religion auch Moral, Ethik und Kunst miteinander in Verbindung gebracht.Dennoch soll ebenfalls die ganz praktische Handhabung, der für die Teezeremonie benötigten Dinge, erlernt werden. Jeder einzelne Gegenstand soll genau kennengelernt und absolut perfekt eingesetzt werden können. Dem eigentlich ganz einfachen Vorgang des Teetrinkens wird auf diese Weise sehr viel Bedeutung beigemessen. Doch gerade so kann gelernt werden, in dieser Handlung vollkommen aufzugehen, sich ausschließlich darauf zu konzentrieren und somit ganz im Hier und Jetzt zu sein.In Japan gibt es mehrere verschiedene Teeschulen, innerhalb derer die Teezeremonie mit all ihren Facetten auf leicht unterschiedliche Weise durchgeführt wird.

 


Die Teezeremonie eine Jahrhunderte lange Geschichte



Das Ritual des Teetrinkens hat in Japan eine sehr lange Tradition, die bereits vor rund 1.300 Jahren begann. Allerdings dauerte es einige Jahrhunderte, bis die japanische Teezeremonie sich mitsamt ihren Regeln und Abläufen so festigte, wie sie noch heute praktiziert wird.In der Nara-Zeit zwischen 710 und 794 nach Christus wurde erstmals aus China stammender Tee von buddhistischen Mönchen in Japan getrunken. Zunächst wurde der Tee vor allem als Medizin angesehen, auch wenn bereits Kaiser Shōmu seinen Gästen im Jahr 729 Tee servierte. In der Heian-Periode (zwischen 794 und etwa 1185) setzte sich der Genuss von Tee schließlich nach und nach auch in der breiten Bevölkerung durch. Der buddhistische Mönch Saichō – der Gründer der bekannten Tendai-shū-Schule – baute selbst aus China stammenden Tee an. Er soll um das Jahr 805 erstmals eine japanische Teezeremonie durchgeführt haben. Jedoch geriet das Teezeremoniell in den folgenden Jahren beinahe wieder vollkommen in Vergessenheit. Zwischen dem zehnten und dem zwölften Jahrhundert wurde die Teezeremonie kaum noch praktiziert. Als Begründer der Teezeremonie gilt deshalb der japanische Zen-Meister Musō Soseki (1275 bis 1351), der während seiner Zeit als buddhistischer Staatspriester ein sogenanntes Daisu geschenkt bekam. Dieses aus China stammende Gestell wurde dort für die Aufbewahrung der für den Teekult benötigten Dinge benutzt. Musō Soseki fand Gefallen an dem an ein Regal erinnernden Daisu und verwendete es zur Zubereitung von Tee. Nach und nach legte er so die Regeln für eine Teezeremonie fest.Gleichzeitig gilt in Japan auch der Shōgun Ashikaga Yoshimasa (1435 bis 1490) beziehungsweise sein buddhistischer Abt Shogu als Erfinder der traditionellen Teezeremonie. Als Ashikaga Yoshimasa all seine Ämter niederlegte, um sich nur noch der Kunst zu widmen, ließ er unter anderem den „Tempel des silbernen Pavillons“ als seinen Ruhesitz in Kyōto erbauen. Dort entwickelte Yoshimasa gemeinsam mit seinem Abt das detaillierte Ritual, auf das während der Teezeremonie stets genau geachtet werden muss.Die Beiden entwarfen auch das Teehaus beziehungsweise zunächst ein Teezimmer, in dem die Zeremonie bis heute meist stattfindet. Das Zimmer hat seit dem immer eine festgelegte Größe, nämlich viereinhalb Matten, was rund neun Quadratmetern entspricht. Auch auf die Wertigkeit, der für die Zeremonie verwendeten Gerätschaften, legten Yoshimasa und sein Abt zum ersten Mal großen Wert.

Weiter verfeinert und schriftlich festgehalten wurde das Teeritual von dem buddhistischen Abt Eisai, der in seiner Abhandlung nicht nur die Vorteile für die Gesundheit lobte, sondern auch Regeln zur Zubereitung aufstellte. Hier wurde das Ritual erstmals zu der religiösen Zeremonie, die es bis heute ist. Im Laufe der Jahrhunderte verbreitete sich der Teegenuss immer weiter. Im Jahr 1.400 tranken längst nicht mehr nur Mitglieder der japanischen Oberschicht Tee, sondern auch das gemeine Volk. Teezeremonien wurden in verschiedenen Formen abgehalten, Feldherren wie Toyotomi Hideyoshi und Oda Nobunaga gaben große Teegesellschaften. Aufwendig gefertigte Teetassen und Teetöpfe wurden als Anerkennung verschenkt und als Statussymbole geehrt.

Einer der berühmtesten Teemeister überhaupt ist Sen no Soeki (auch bekannt als Sen no Rikyū), der von 1522 bis 1591 lebte. Von ihm stammen die Regeln der Teezeremonie, wie sie heute noch gültig sind. 1564 schrieb er sie an eine Wand in einem Teehaus in Kyōto. Von seinem Nachkommen Sōtan stammt die „Wabi-Teetradition“, die wiederum Tee und Zen miteinander in Verbindung bringt. Die Familie entwickelte außerdem drei verschiedene Teeräume, die unterschiedliche Ausmaße und Bedeutungen haben.



Traditioneller Ablauf nach strengen Regeln



Eine japanische Teezeremonie erfolgt stets nach genau festgelegten Regeln. Allerdings können sich diese Regeln je nach Teeschule voneinander unterscheiden. Dennoch ist der Ablauf jeweils relativ ähnlich und variiert nur in mehr oder weniger kleinen Details. Auch die Dauer des gesamten Rituals kann verschieden sein. Zum Teil dauert die gesamte Zeremonie mehrere Stunden.Die japanische Zeremonie findet zumeist in einem speziellen Teehaus statt, das nach überlieferten Regeln erbaut wurde und zu dem normalerweise ein kleiner japanischer Garten gehört. In diesem Garten befindet sich in der Regel ein Wasserbecken sowie ein Bereich, in dem die eingeladenen Gäste warten können, und ein Pfad, der auf verschlungenen Wegen zum eigentlichen Teehaus führt. Zunächst werden die Gäste im Garten begrüßt und mit heißem Wasser versorgt. Dann betreten sie das Teehaus über den Gartenpfad. Bereits das gehört zum Ritual und soll die erste Stufe der Erleuchtung symbolisieren. Der Teeraum wird stets in gebückter Haltung oder sogar kriechend auf den Knien betreten. Das soll Respekt und Demut zeigen und gilt als Symbol dafür, dass gesellschaftliche Unterschiede innerhalb des Teehauses keine Rolle spielen. Zunächst werden nun leichte Speisen gereicht. Das können etwa Suppen, Gemüse oder Reis sein. Auch Reiswein wird häufig getrunken. Nach mehreren Gängen werden die Gäste dann erneut in den Warteraum gebeten. Dort warten sie, bis ein Gong fünf Mal ertönt ist. Das ist das Zeichen dafür, dass die eigentliche Teezeremonie beginnt und sie in den Teeraum gehen sollen. Der letzte Gast schließt hinter sich die Tür, woraufhin der Gastgeber oder der Teemeister mit den weiteren Vorbereitungen beginnt. Alle für die Zeremonie benötigten Utensilien, die sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Raum befinden, trägt er nun hinein. Der Teemeister ordnet sie in einer bestimmten Reihenfolge an. Alle Bewegungen und Handlungen während der gesamten Zeremonie erfolgen stets äußerst harmonisch, ruhig und wirken auf die Zuschauer zumeist sehr anmutig.

 

Matcha Zeremonie-Tee

japanische_Teezeremonie

 

Zu den benötigten Teeutensilien zählen die Matchaschalen, verschiedene Teedosen beziehungsweise Natsume für die unterschiedlichen Matchasorten, ein Gefäß mit frischem Wasser, ein spezieller eiserner Wasserkessel, ein Chashaku  sowie ein Chasen. Wenn eine sehr ausgiebige Zeremonie vorgesehen ist, wird den Gästen zuerst der dicke Matcha  (Koicha) serviert. Anschließend folgt der dünne Matcha (Usucha), dazwischen wird das Holzkohlenfeuer erneut geordnet und in Form gebracht. Je nach eingeplantem Zeitaufwand kann die Zeremonie jedoch verkürzt werden.


Um den dünnen Tee zu servieren, setzt sich der Teemeister zunächst kniend vor das Kohlebecken und nimmt den Schöpflöffel sowie einen Untersetzer aus dem Wassergefäß. Beide Teile legt er neben das Becken. Dann verbeugt er sich vor den zusehenden Gästen. Mit langsamen, konzentrierten Bewegungen rückt er das Gebrauchtwassergefäß an seine Knie heran. Die Teeschalen setzt er mit einem Abstand von ungefähr 20 Zentimetern vor seine Knie, das entsprechende Pulverteegefäß legt er dazwischen. Auch das spezielle Teetuch, das sich im Obi des Teemeisters befindet, holt er jetzt heraus und faltet es. Der Löffel, die Schale und das Teegefäß werden in vorgegebener Reihenfolge gereinigt und an den für sie vorgesehenen Stellen abgelegt. Mit der jeweils dafür bestimmten Hand und in der den Regeln entsprechenden Reihenfolge nimmt der Teemeister nacheinander den Schöpflöffel zur Hand, öffnet den Deckel des Teekessels, setzt ihn auf dem Untersetzer ab, nimmt mit dem Löffel heißes Wasser aus dem Kessel und gießt es in die Schale. Das Wasser, das zunächst nur dazu dient, die Teeschale vorzuwärmen, wird dann in das Brauchwassergefäß (Kensui) geschüttet. Die Schale wird mit einem weißen Leinentuch gereinigt und abgetrocknet. Dem Ritual folgend wird anschließend das Teepulver in die Schale gegeben, mit heißem Wasser übergossen und mit dem Chasen schaumig geschlagen. All diese Handlungen erfolgen nicht nur in einer festgelegten Reihenfolge, sondern auch jeweils mit der dafür bestimmten linken oder rechten Hand sowie in genau vorgegebenem zeitlichen und räumlichen Abstand zueinander. Je nach Teeschule können sich die Zeremonien zum Beispiel in der Menge des entstehenden Schaumes beziehungsweise seiner Konsistenz voneinander unterscheiden.

Nun bekommt der wichtigste Gast erstmals die Teeschale gereicht. Nachdem er sie samt Verbeugung angenommen und symbolisch zuerst seinem Sitznachbarn angeboten sowie einige Male in der Hand gedreht hat, trinkt er den Tee aus und gibt die Schale dem Teemeister zurück. Während alle Anwesenden weiter schweigen, bekommt nun jeder der Gäste nacheinander eine Schale mit auf die gleiche Weise zubereitetem Tee überreicht. Wenn jeder getrunken hat, kann wieder gesprochen und beispielsweise nach der verwendeten Teesorte gefragt werden. Üblich ist auch, das meist sehr teure Porzellan oder die anderen Gegenstände zu loben, die bei der Zeremonie verwendet wurden.
Wird bei einer japanischen Teezeremonie auch sogenannter dicker Tee zubereitet, geschieht das auf leicht andere Weise und in nur einer einzigen Schale für alle Gäste, die immer weitergereicht wird. Die Gespräche im Anschluss an das eigentliche Teetrinken handeln in der Regel nur von Themen, die sich auf die Teezeremonie beziehen. Über Geschäfte oder beispielsweise Alltagsprobleme wird normalerweise nicht gesprochen.

 

Die vier Prinzipien des Teeweges


Zwar hat die Teezeremonie einen starken Bezug zur Religion – also zum Zen-Buddhismus. Allerdings kann sie (gerade aus der Sicht eines westlichen Beobachters) auch schlicht dazu dienen, zur Ruhe zu kommen, die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen und neue Kraft zu tanken.
Die Teezeremonie ist Teil des sogenannten Teeweges, der zum wahren Selbst und zur inneren Vollendung führen soll und das, indem die kosmische Gesamtheit erlebt wird. Dabei stehen unter anderem Harmonie, Frieden, Ehrfurcht, die Wertschätzung aller Dinge, Reinheit in Gedanken, Taten und Worten sowie Stille im Vordergrund.

Der bekannte Teemeister Sen no Rikyū hat vier Prinzipien des Teeweges festgelegt: Harmonie („Wa“), Respekt („Kei“), Reinheit („Sei“) und Stille („Jaku“). 
All die Vorgaben – von der Gestaltung des Teehauses, über die während der Zeremonie verwendeten Gegenstände und Materialien bis hin zur Reihenfolge – sind deshalb überaus wichtig, um dem Ziel des Teeweges näherzukommen. Denn zwischen Geist und äußeren Formen soll eine Harmonie entstehen. Und wer die japanische Teezeremonie perfekt beherrscht, ist auch der inneren Vollendung einen großen Schritt näher.

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Teezeremonie

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Teeweg & Kultur

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