Text-Überwachung und Plagiatsprüfung durch PlagAware

Buddhismus & Taoismus

Buddhismus & Taoismus

Buddhismus & Taoismus

Als sich der Buddhismus von Indien in Richtung China ausbreitete, war die seinerzeit taoistisch geprägte Bevölkerung Chinas etwas irritiert. Das kannte man doch? Das klingt doch nach dem alten Laotse? Nur extrem kompliziert ausgedrückt! Und sofort wurde es dann so einigen Menschen klar: der alte Laotse wurde doch verbannt und ist Richtung Westen über die Grenzen Chinas auf seinem Ochsen geritten! Der hat also den jungen Siddhartha getroffen und war sein Lehrer! Somit wurde der Buddhismus in China als eine seltsam komplizierte und schwer verständliche Form des Taoismus gesehen. Die Chinesen, nicht dumm, haben beide Richtungen einfach miteinander verknüpft und es entstand der Chan-Buddhismus, der sich relativ schnell und leicht über China bis nach Japan verbreitete und in unseren Gefilden besser als ZEN-Buddhismus bekannt ist. Laotse als Lehrer des jungen Siddhartha… eine schöne Vorstellung… und in der Tat, diese beiden Lehren haben so unwahrscheinlich viel gemeinsam, dass man sich leicht fragen kann, ob in Wahrheit nicht EINE Lehre dahinter steckt. Die Chinesen haben das schon gut erkannt. Während Laotse’s Werk, das “Tao Te King“  gerade mal mit kleinen 81 Verschen auskommt, umfasst der buddhistische Kanon mehrere Bibliotheken. So bekommt man schnell den Eindruck  von extremer Komplexität auf der einen und absoluter Einfachheit auf der anderen Seite. 

Ich will eigentlich nicht groß in die Lebensläufe dieser Philosophen einsteigen, muss aber dennoch ein paar Wort darüber verlieren. Ich versuche mich aber wirklich kurz zu fassen.

Laotse diente als Archivar in der Bibliothek der Dschou, dem großen Chinesischen Reich im 6. vorchristlichen Jahrhundert. Der damals schon alte Mann sagte nun den Verfall des Reiches voraus, woraufhin er von den Herrschern verbannt wurde. Laotse machte sich also mit seinem Ochsen (der wurde in späteren Versionen der Geschichte hinzugefügt) auf die Reise in Richtung Westen, wo er von Yin Xi, dem Grenzbeamten des Reiches, manche sagen dieser war ein Gelehrter, darum gebeten wurde seine Weisheit in einer Schrift zu verewigen. Laotse war genervt, wollte eigentlich weiter, setzte sich aber dann doch in den dortigen Turm und schrieb sein Werk: das Tao Te King. Die Grundlage des Taoismus.

Laotse war schon länger in China als „weiser Mann“ bekannt, jedoch trat er nicht als Religionsstifter, Missionar, Philosoph oder großer Redner auf, der die damalige Welt erschüttern wollte. Er war eigentlich eher der seltsame Kauz, der auf einfache Fragen kryptische Antworten gab, oder schlicht gar nichts erwiderte.  Laotse machte nur seinen Job und wollte seine Ruhe. Einige Schriften dichten ihm aber dennoch diverse Begegnungen mit damals in China bekannten Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Konfuzius, an. Da gibt es einige nette Anekdoten, wer möchte sollte sich diese mal zu Gemüte führen. 

Laotse zog, nachdem er das Büchlein dem ehrenwerten Yin Xi überreichte, weiter nach Westen. Wohin weiß kein Mensch. Er hat also die Grundlage des Taoismus geschaffen, verbreitet hat es ein anderer: Dschuang Dse. Aber um ihn geht es in diesem Beitrag nicht. Dass Laotse bis nach Indien gekommen ist und auf den jungen Siddhartha traf, ist nicht besonders realistisch, obwohl die beiden möglicherweise sogar Zeitgenossen waren. Der Herrschaftsbereich der Dschou war damals in Ostchina, der westliche Grenzübergang so ziemlich in der Mitte des heutigen Chinas. Bis nach Indien wäre es eine Reise von Monaten gewesen, besonders für einen Mann, der das 70ste Lebensjahr überschritten hat. Und er hätte über Tibet ziehen müssen… ein sogar heute noch abenteuerliches Unterfangen.

 

Buddhismus & Taoismus - Laotse & Buddha

Ich denke über die Lebensgeschichte des Buddha muss ich nicht allzu viele Worte verlieren, die sollte gut bekannt sein.

Der Sakya-Sohn Siddharta verließ Wohlstand, Frau und Kind um in der Einsamkeit einen Weg zu finden, der das Leiden der Welt beendet. Er hat viel probiert. Yoga, Askese, Meditation, Peinigung und und und, bis er den mittleren Weg als den Besten fand und „erleuchtet“ wurde. Erleuchtung trifft den von Buddha erlangten Zustand in meinen Augen nicht sonderlich gut, denn es impliziert eine Art „geistige Erhellung“, einen Blitz, der einen durchs Gehirn fährt und man plötzlich durch den Schleier des Lebens hindurchschauen könnte. Dieses Wort deutet auf einen gottgleichen Schwebezustand, in dem einen nichts mehr belastet und alles einfach wundervoll ist.

Die Übersetzung „Erwachen“ gefällt mir besser und in der Tat bedeutet das Wort „Buddha“ nichts weiter, als „der Erwachte“. Siddhartha war also erwacht, während der Rest der Welt im materiellen Zustand schlief. Wer sich die Biografie des jungen Sakya-Prinzen mal durchliest, der erkennt, dass Siddhartha bis zu seinem Tod auch so seine Nöte hatte… aber das macht ihn ja auch so sympathisch. Er war ein Mensch, mit menschlichen Neigungen, Sorgen und Problemen.

Der Buddhismus ist eine sehr theoretische Philosophie / Religion. Sie erschließt sich nicht leicht, sondern erfordert eine gewisse Bereitschaft sich intensiv mit der Lehre, den Schriften und der Philosophie zu beschäftigen. Meditation ist das Mittel. Siddhartha erwachte im Alter von 35 Jahren. Er lebte und lehrte seine Lehre bis zu seinem 80ten Lebensjahr. Er begründete also eine Philosophie / Religion, verbreitete sie und lebte als dessen Oberhaupt noch weitere 45 Jahre. Es entstand ein tiefes Wissen und eine Lehre, die in dieser Zeit ihre Grundlagen bilden konnte. Da der Buddhismus durch Meditation als Mittel zu erfahren ist, ist es eine sehr geistige Philosophie, über die natürlich viel geschrieben, spekuliert und theoretisiert wurde… und immer noch wird.

Während Laotse also nichts weiter hinterließ als ein Büchlein mit 81 Versen, hinterließ uns der Buddha eine vollständige Lehre mit bestehendem Mönchstum, einer etablierten Kultur und mannigfaltigen Lehr-Reden. Interessant sind die grundsätzlichen Ähnlichkeiten. Wie oben bereits geschrieben, waren die Taoisten ein wenig schockiert über den Buddhismus. Wie konnte man die so einfache und einleuchtende Lehre des Laotse so dermaßen kompliziert und schwierig interpretieren? Auf jeden Fall überwogen letztlich die Ähnlichkeiten, denn der Buddhismus wurde in China mit offenen Armen empfangen.

Das Tao: Es ist nicht fassbar, dieses Tao. Man kann es nicht beschreiben, ebenso gibt es keine passende Übersetzung für dieses Wörtchen. Die deutschen Übersetzungen fallen da auch äußerst vielfältig aus. Meistens wird es als „Weg“ bezeichnet. Andere schreiben „das Göttliche“, oder auch „Geist“. Ich denke nichts trifft es und irgendwie klingt es schon beinahe verzeifelt, wenn man eine neue Übersetzung des Tao Te King in die Hand nimmt. Ich interpretiere das Tao als eine Art Energie, die uns alle verbindet, die alles und jeden als eine Art Einheit fühlen lassen kann. Wer Zugang zum Tao hat, hat Zugang zum Bewusstsein allen Lebens, zum “Kollektiv” wenn man will. Ich schließe in das Kollektiv alle Lebewesen ein und für mich persönlich gehören neben Menschen, Tieren und Pflanzen auch alle anderen “Dinge” incl. unserer Erde dazu. Das Tao spiegelt sich in unserer inneren Stimme, unserem “Bauchgefühl” den Dingen gegenüber. Und je weniger wir denken, je mehr wir uns auf unser Inneres verlassen, desto mehr leben wir im Einklang mit Laotses Tao.

Der alte Laotse schreibt doch selber in Vers 1: „Das Tao das man beschreiben kann, ist nicht das Tao.“ Doch das ist uns westlichen Menschen jedoch zu wenig, wir wollen alles mit Worten theoretisch begreifen und katalogisieren.

Im Buddhismus gibt es keinen festen Begriff für das “Tao”. Der Buddha sprach zumeist von “Einssein”. Wir sind nur eine Manifestation von allem um uns, wie das Blatt am Baum, die Blume, oder auch der Elefant. Und genauso existieren wir nur in dem Zusammenspiel aller Elemente und Faktoren. Wir sind “entstanden”, nicht geboren. Wir existierten bereits vor unserer Geburt und ebenso existieren wir auch nach unserem Tod. Daher sind wir ständig mit allem verbunden, leben in einer Art Symbiose, einer Einheit mit allen Dingen dieser Welt, ja sogar des Universums. Das Individuum wird somit nur zu einer Illusion unserer derzeitigen Existenz. Der Buddha war erwacht und sah diese Zusammenhänge. Der Weg des Buddhismus bietet uns die Möglichkeit diese Erfahrungen ebenfalls zu machen. Gut, wir können nicht alle Mönche werden und unser Leben lang dem Pfad der Erweckung folgen.

Ich habe im Buddhismus immer wieder den Begriff “Bewusstsein” gehört und gelesen. Gut, nicht vom Buddha direkt, aber in entsprechender buddhistischer Literatur, die versucht den Buddhismus uns degenerierten Wessis nahe zu bringen. Das Wort Bewusstsein find ich gut, denn zerlegt in seine Einzelworte bedeutet es, sich etwas bewusst zu sein. Im Falle des Individuums dem “Einssein”. Im Falle des Kollektivs: dem Ewigen. Und genau hier ist sie – diese Übereinstimmung zwischen Taoismus und Buddhismus. Die Wege zum “Erwachen” sind auf dem ersten Blick vielleicht etwas verschieden, doch hinter diesem Eindruck folgen beide dem gleichen Pfad: Vereinfachung, Erkennen, Einssein.

In beiden Philosophien ist die Rede von etwas, das uns alle verbindet, einsmacht, eine Kraft oder Energie, die uns und alles andere am Leben hält. Im Taoismus ist es das Tao, im Buddhismus findet sich kein entsprechendes Wort, dort wird es zumeist Bewusstsein genannt. Soweit so klar. Siddhartha war auf jeden Fall ein ziemlich cooler Typ , der es verstand schon zu seinen Lebzeiten (wie oben im Text bereits angerissen) ein gut geführtes Mönchstum mit entsprechender Organisation aufzubauen. Er verstand es, wahrscheinlich aufgrund seiner früheren Stellung als Sohn eines Rajas, den Adel und die herrschende Gewalt im damaligen Indien zu imponieren. Ebenso wurde er vom einfachen Volk aller Kasten respektiert und geliebt, denn er brach die Traditionen und machte keinen Unterschied zwischen den Menschen. Einzig die Kaste der Brahmanen und so manch andere “Strömung” machten dem Sakyer-Prinzen zu schaffen… die Geschichte des “historischen” Buddha ist wirklich interessant.Wie oben bereits erwähnt, verstand es Siddhartha eine fest etablierte religiöse/philosophische Größe in seinem Land zu hinterlassen, während Laotse nichts von all dem wollte. 

Dass der Buddhismus nun vom Taoismus beeinflusst wurde ist mehr als nur unwahrscheinlich und dennoch verbindet diese beiden Strömungen so viel, dass es mehr als nur ein Zufall sein kann. Möglicherweise war es zur damaligen Zeit einfach ein grundlegendes Wissen oder eine spirituelle “Erleuchtung”, die sowohl in Indien, als auch in China zutage trat.

 

Unabhängigkeit vom Gefühl!

Auch wenn der Mensch ein Wehgefühl mit triebgelenkten
Blendungsgedanken zornig abweist, dann hat er die Triebe
unter den gegebenen Umständen bestmöglichst befriedigt.

Wenn ich mich beleidigt fühle und wehre mich stark dagegen,
dann habe ich den großen Schmerz, den die Beleidigung
verursachte, gemindert, der Trieb aber gemehrt, dann habe
ich mich erleichtert, auch das ist Befriedigung, wenn auch
eine sehr kurz-fristige.

So ist Befriedigung die geistige triebgelenkte
Hingabe an das Wohlgefühl oder die Hingabe
an die Abwehr von Wehgefühl seitens des Blendungs-Geistes.

Sie macht den Menschen abhängig von den Erlebnissen,
wie es der Erwachte auch in M 38. ausführlich schildert:

"Hat der unbelehrte Mensch durch den Drang nach Sehen eine Form
gesehen (durch den Drang nach Tönen einen Ton gehört usw.), so ist
er erfreut über die den Trieben angenehmen Formen und verabscheut
die den Trieben unangenehmen Formen.

Ohne Beobachtung der Sinnesdränge des Körpers verweilt
er beschränkten (verblendeten) Gemütes, und nichts weiß er
von Gemüterlösung, Weisheiterlösung, wo üble, unheilsame
Eigenschaften restlos aufgelöst sind.

So fällt er der Befriedigung und Unbefriedigung anheim!

Und was für ein Gefühl er auch fühlt: ein freudiges,
leidiges oder weder freudiges noch leidiges, auf dieses
Gefühl setzt er (abhinandati), darum denkt er herum (abhivdati),
daran ist er gebunden (ajjhosya titthati) – Tätigkeiten des Blendungsgeistes –.

Dadurch, daß er auf dieses Gefühl setzt, darum herumdenkt, daran
gebunden ist, erhebt sich ihm Befriedigung.

Diese Befriedigung bei den Gefühlen, das ist Ergreifen. (Anhangen/upadana)

Ergreifend denken, reden und handeln die Wesen und schaffen sich damit
ihr Schaffsal,(kamma) die Ernte ihres Wirkens (bhava). Durch Schaffsal
bedingt ist Geborenwerden; durch Geborenwerden bedingt ist Altern und
Sterben, Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung, und so
geschieht dieser gesamten Leidensanhäufung Fortsetzung."

In dem Maße aber, wie wir nur auf das Hier und Jetzt achten und
uns von Genüssen und Alltagssorgen in Anspruch nehmen lassen,
kommen wir nicht zur Erkenntnis zum Beispiel des hohen Wertes
der Hochherzigkeit.

Wer sich von den jeweiligen Situationen gefangen-nehmen läßt, der mag
Hochherzigkeit in sich haben, aber er kann nicht seine rechte Erkenntnis
vom Wert der Hochherzigkeit pflegen oder vermehren.

Es ist eine unabdingbare Forderung, daß man nicht nur auf das Hier und Jetzt,
auf den Genuß und auf die Sorgen blickt, sondern – auf Zusammenhänge.

Wir können es bei uns selber nachprüfen: Die niedrige Gesinnung
führt in irgendeiner Weise ins Elend, und die Hochherzigkeit reißt
uns aus allem Schmutz, aus allen Fesseln, aus allen unwürdigen
Situationen und Vernestelungen,aus dem ganzen Nebeltal und
Sumpfgefilde in ganz andere Dimensionen.

Wer diesen Zusammenhang zwischen der Beschaffenheit unseres
Herzens und unserem Erleben kennengelernt hat, wird zu der immer
tiefer dringenden Einsicht kommen: Es gibt keine Nachteile bei der
Hochherzigkeit, sondern nur Vorteile.

So wird er immer mehr von dem Wert der Hochherzigkeit überzeugt sein.
Mit jeder solchen Erwägung hat er die Neigung zur Hochherzigkeit in sich
gemehrt. Und je mehr Neigung danach in ihm ist, um so mehr antwortet
diese auch auf solche Erwägungen mit Wohlgefühl.

Der Aufmerksame merkt, wie er sich freut, wenn er hochherzig gewesen ist.
So hat er dann bald beides: Rechte Erkenntnis, überzeugende innere Einsicht,
daß Hochherzigkeit wertvoll ist, und zweitens auch Neigung dazu.
So bilden wir uns zum Schlechten und zum Guten, je nachdem was wir
betreiben, was wir pflegen.